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Collected works. Vol. I: Logic, theory of sets and quantum mechanics. Vol. II: Operators, ergodic theory and almost periodic functions in a group. General editor A. H. Taub. (English) Zbl 0100.00202
Oxford-London-New York-Paris: Pergamon Press. I: x, 654; II: x, 568 p. (1961).
Es ist höchst erfreulich, daß von dieser sechsbändigen Sammlung von J. von Neumanns Arbeiten zwei Bände so schnell erscheinen konnten. Die modernen Vervielfältigungsmethoden beschleunigen das Erscheinen solcher Synopsen. Leider scheint die Qualität sich dabei monoton fallend zu bewegen. Akribische Herausgeberarbeit, wie man sie früher kannte, hat man dabei kaum zu erwarten – wer hätte übrigens die Geduld und Lust, so etwas auf sich zu nehmen? Das Ideal ist heute, es so zu organisieren, daß alles von der Bürohilfe erledigt werden kann. Wenn die Organisation gut ist, kann so etwas wohl funktionieren. Hier hat es jedenfalls nicht funktioniert. Es sind leicht zu vermeidende elementare Fehler gemacht worden. Hoffentlich kann man einiges noch in den nächsten Bänden reparieren. Es sei erst bemerkt, daß es nicht, wie der Titel angibt, eine Herausgabe von „Werken“ sondern von „Abhandlungen“ ist.
Der Herausgeber gibt an, daß alle publizierten und einige nichtpublizierte Arbeiten aufgenommen worden sind. Einiges Blättern im Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik zeigt, daß – wenigstens für die Vorkriegszeit – die Herausgabe unvollständig ist. Es sei zugegeben, daß das Fehlende zu der Art der Comptes-Rendus-Noten u. a. gehört. Man kann verstehen, daß man diese Stücke nicht von neuem abdrucken wollte. Daß man sie aus dem bibliographischen Verzeichnis weggelassen hat, ist kaum zu billigen. Übrigens ist das auch wieder nicht systematisch geschehen. Offenbar hatte man zur Vervollständigung des bibliographischen Verzeichnisses keine Referatenzeitschrift befragt.
In der einigermaßen unklaren Vorrede fehlt jede Angabe hinsichtlich der Bearbeitung des publizierten Materials, die immerhin nicht unansehnlich gewesen ist. Man hat offenbar teilweise nach Handexemplaren von v. Neumann gearbeitet. Man hat allerlei nach diesen Vorlagen korrigiert, während man anderes einfach als Bleistiftnotiz stehen gelassen hat. Es kommen aber auch ganz sinnlose Änderungen vor.
Man hat bei fast allen Arbeiten den Namen des Verf. gestrichen, was begreiflich ist, aber auch eventuell den des Mitverfassers oder der Mitverfasser – offenbar da man bei der Organisation der Herausgabe und den Vorschriften für die Bearbeitung nicht an diese Eventualität gedacht hatte. (In Bd. I 12 ist der Name des Verf. v. Neumann stehen geblieben – offenbar ein Versehen.)
Man hat auch Eingangsdaten und dergleichen Angaben gestrichen. Für den Benutzer wird es mühselig, festzustellen, wann und in welchem Zusammenhang eine Arbeit erschienen ist. Wohl ist am Ende jedes Bandes eine bibliographische Liste mit Nummern, die nach der Stellung der Arbeit in der Gesamtausgabe verweisen. Wenn man aber von der Arbeit selber ausgeht, hilft einem das nur wenig, denn der Herausgeber hat versäumt, diese Nummern bei den Abdrucken der Arbeiten selbst anzubringen. Wohl findet man die Nummer dann (meistens, nicht immer) im Inhaltsverzeichnis des Bandes, zu dem man also zurückzublättern hat. Hat man sie da gefunden, so muß man die nach anderen Gesichtspunkten geordnete bibliographische Liste durchlaufen, wo man dann (meistens, aber nicht immer) dieselbe Nummer entdecken und die Arbeit historisch lokalisieren kann. Da Verfassernamen und Eingangsdaten gestrichen sind und andererseits eine Numerierung oder sonstwie deutliche Abgrenzung der Arbeiten fehlt, weiß man beim Blättern manchmal nicht, ob eine fette Überschrift eine neue Arbeit oder nur ein Kapitel der laufenden ankündigt.
Bd. II, S. 558 wird dem Leser ein Rätsel aufgegeben. Dorthin hat sich eine reichlich unverständliche Note von G. Hunt verirrt, in der zu einem weiterhin nicht klaren Zwecke ein Satz aus einem (nichtpublizierten ?) Manuskript von v. Neumann zitiert wird. Blättert man nach dem soeben beschriebenen Prinzip zurück zum Inhaltsverzeichnis, so findet man, daß diese Note die Nummer II 27 hat. Trotz sorgfältiger Suche habe ich aber im bibliographischen Verzeichnis nichts mit dieser Nummer finden können.
Die Seitenkopftitel sind meisten aus dem Original übernommen worden, so daß etwa die Noten aus den Proc. Natl. Acad. Sci. unter den bescheidenen Seitenköpfen „Mathematics“ oder „Physics“ erscheinen. In manchen Fällen hat man aber die Seitenköpfe durch andere (falsche) ersetzt. Übrigens ist die Zahl der Fehler und Druckfehler in allem, was der Herausgeber zugefügt hat, groß.
Nach der Vorrede ist die Anordnung im wesentlichen chronologisch. Im innerlichen Widerspruch hierzu tragen die einzelnen Bände Gesamtüberschriften. Tatsächlich ist von der chronologischen Reihenfolge systemlos abgewichen, und die Überschriften der Bände passen zu ihrem Inhalt wie die Faust aufs Auge.
Im allgemeinen möchte man dem Herausgeber empfehlen, außer der Bürohilfe noch einen intelligenten Studenten zu engagieren. Den nächsten Bänden dieser außerordentlichen wichtigen Ausgabe würde das wohl zugute kommen.
Reviewer: Hans Freudenthal

MSC:
01A75 Collected or selected works; reprintings or translations of classics
03-03 History of mathematical logic and foundations
81-03 History of quantum theory
47-03 History of operator theory
43-03 History of abstract harmonic analysis
Keywords:
Collected works