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Histoire des mathématiques. Tome I–IV. (French) Zbl 0155.00603
Paris: Librairie Scientifique et Technique Albert Blanchard. I: viii, 739 p.; II: 717 p.; III: viii, 832 p.; IV: 688 p. (1968).
Die zweibändige Erstausgabe (Paris 1758) dieses Werkes hatte J. E. Montucla (1725–1799) als den ersten wirklich ernst zu nehmenden Mathematikhistoriker erkennen lassen. Sie hatte damals so großen Eindruck gemacht, daß J. E. Scheibel (1736–1809) in die Einleitung zur mathematischen Bücherkenntnis (Breslau 1662/80, 32/101, 227/329, 355/458) umfangreiche Auszüge aufgenommen hatte. Der vorliegenden stark erweiterten vierbändigen Ausgabe ist ein wohldurchdachtes Vorwort von Ch. Naux vorangestellt. Montucla selbst konnte nur die beiden ersten Bände (1799 mit beigefügtem Register) herausgeben; die beiden nachfolgenden sind unter Mitverwendung nachgelassener Notizen unterschiedlicher Ausführung von J. LeFrançais de Lalande (1732/1807) hinzugefügt.
Das Gesamtwerk ist auch heute noch von hohem Wert, da es eine Fülle von Literatur-Angaben und Einzelheiten enthält, die von besten zeitgenössischen Autoren stammen. Die Gesamtdarstellung ist freilich überholt; auch ist das Ideen- und Problemgeschichtliche noch nicht hinlänglich deutlich herausgearbeitet, und die Urteile des Verf. sind an vielen Stellen einseitig und nicht ausreichend fundiert; zudem zeigt der Text typische Alterserscheinungen. Leider sind die beigegebenen Register unzureichend; sie können dem Suchenden nur allgemeine Hinweise geben und lassen nicht ahnen, wie viel Wichtiges sich vor allem in Hinweisen und Belegen vorfindet. Leider fehlen die in der Orginal-Ausgabe vorhandene Bildnisse von Montucla und Lalande.
Der erste Band umfaßt die Entwicklung der mathematischen Wissenschaften bis zum Beginn des 17. Jh. Das erste Buch enthält nach einer Einleitung über Natur, Einteilung und Nutzen der Mathematik eine kurzgefaßte Darstellung des damaligen Wissens bei den ältesten Kulturvölkern und schildert die Entwicklung der Mathematik im griechischen Sprachbereich bis zum Untergang von Byzanz. Das zweite Buch handelt von den Arabern, Persern, Juden, Indern und Chinesen, das dritte von der Weiterentwicklung im lateinisch sprechenden Abendland und im Orient. Eigene Abschnitte sind der Astronomie, Technik und Optik bis zum 16. Jh. gewidmet.
Der zweite Band gehört der Mathematik einschließlich Mechanik, Optik und Astronomie im 17. Jh.
Im dritten Band, dessen erste Hälfte noch von Montucla selbst stammt, werden Mathematik, Optik, theoretische und praktische Mechanik vorzugsweise in der ersten Hälfte des 18. Jh. behandelt.
Der vierte Band gehört ganz der Astronomie und Seefahrtkunde.
Unter den Anhängen muß die Kurzgeschichte der Kreisquadratur erwähnt werden, die Montucla schon 1754 eingehend behandelt hatte.
Den Abschluß bildet Lalandes warmherzige Biographie Montuclas. Vielleicht wäre es gut gewesen, auch die ausgezeichnete Studie von G. Sarton über Montucla beizugeben [Osiris 1, 519–567 (1936; JFM 62.0023.04)], die so viele interessante Einzelheiten über Leben und Wert des Verf. enthält.

MSC:
01-02 Research exposition (monographs, survey articles) pertaining to history and biography
01A05 General histories, source books
01A55 History of mathematics in the 19th century
Biographic References:
Montucla, J. E.
Full Text: EuDML