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The mathematicians’ apprenticeship. Science, universities and society in England, 1560-1640. (English) Zbl 0583.01016
Cambridge etc.: Cambridge University Press. VIII. 248 p. £25.00 (1984).
Der Titel des vorliegenden Buches, den man deutsch etwa mit ”Die Lehrzeit des Mathematikers” wiedergeben könnte, ist irreführend zumindest für die, die in diesem Werk mathematische Inhalte vermuten. Besser als dieser Schlagworttitel informiert der Untertitel über diese Ausarbeitung einer 1981 abgeschlossenen Oxforder Dissertation. Es handelt sich um eine institutionsgeschichtliche und wissenschaftssoziologische Studie, die sich mit der aus dem 19. Jahrhundert stammenden These auseinandersetzt, daß Oxford und Cambridge für die Wissenschaftliche Revolution in dem fraglichen Zeitraum von 1560-1640 nichts und London Wesentliches beigetragen hat. Das Ergebnis der auf gründlichem Quellenstudium einschließlich einer Reihe neu erschlossener Manuskripte fußenden Arbeit ist eine Zurückweisung dieser These. Die Untersuchung einer Vielzahl von Einzelpersonen des Lehrkörpers von Oxford, Cambridge und des Gresham College in London wie von deren Studenten, aber auch einer Reihe von ”Mathematikern” außerhalb dieser Institutionen ergab, daß das Studium der Mathematik in Oxford und Cambridge bereits for 1640 einigermaßen etabliert war mit nachweisbaren Anstrengungen, den neueren Entwicklungen auf dem Kontinent zu folgen, und zum anderen, daß ein Kommunikationsnetzwerk die an der Entwicklung der neueren Naturwissenschaften und der Mathematik Interessierten in Oxford, Cambridge und London in gleicher Weise erfaßte.
Der größte Teil des Buches besteht aus biographischem Material, das das formulierte Ergebnis dokumentieren soll. Die Kapitel 2-4, die etwa 55 % des Umfangs dieser sechs Kapitel umfassenden Monographie ausmachen, sind im wesentlichen mehr oder minder unzusammenhängende Biographien, was die Lesbarkeit des Werks etwas einschränkt. Für den Mathematikhistoriker ist die Aufwertung der Bedeutung von Oxford und Cambridge hinsichtlich des mathematischen Unterrichts in dem betrachteten Zeitraum von Interesse; allerdings bleibt die Behandlung von wissenschaftssoziologisch so interessanten Fragen wie der nach den Professionalisierungsformen der Mathematik erstaunlich dünn. Wünschenswert für die Zukunft wäre eine Untersuchung über den relativen Stellenwert des mathematischen Unterrichts in London, Oxford und Cambridge im Vergleich zu zeitgenössischen kontinentalen Institutionen.
Reviewer: I.Schneider

MSC:
01A80 Sociology (and profession) of mathematics
01-02 Research exposition (monographs, survey articles) pertaining to history and biography
01A40 History of mathematics in the 15th and 16th centuries, Renaissance
01A45 History of mathematics in the 17th century