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Die graphische Statik. Zweite neubearbeitete Auflage. Erster Band. (German) JFM 07.0546.01
Zürich, Meyer u. Zeller (1875).
Culmann’s Werk über graphische Statik, und die Wichtigkeit, welche dasselbe zumal für die Praxis des Ingenieurs besitzt, sond anerkannt. Es erscheint jetzt in zweiter und vermehrter Auflage, so dass der vorliegende erste Band, der etwa die Hälfte des in der ersten Auflage (1866) bahndelten Stoffes, nämlich den theoretischen Theil, umfasst, bereits die Stärke des früheren Gesammtwerkes besitzt. Eine bedeutende Erweiterung hat der Abschnitt über das graphische Rechnen erfahren, indem eine Beschreibung der verschiedenanrtigen Rechenschieber und ähnlicher Apparate aufgenommen wurde. Wir heben sodann die Umgestaltung hervor, welche der Lehre von der Zusammensetzung der Kräfte in doppelter Beziehung zu Theil wurde durch die Aufnahme geometrischer Untersuchungen über das “Nullsystem” (den linearen Complex). Es gestaltet sich dadurch die Zusammensetzung beliebig im Raum vertheilter Kräfte übersichtlicher und prägnanter, es gewinnt aber auch die Zusammensetzung der Kräfte in einer Ebene eine grössere Anschaulichkeit, indem der Verfasser die Entwickelungen aufgenommen hat, die Cremona 1872 gab (Le figure reciproche della statica grafica), vermöge deren Kräftepolygon und Seilpolygon als Orthogonalprojectionen räumlicher Polygone erscheinen, die in Bezug auf eine linearen Complex conjugirt sind. – Endlich müssen wir erwähnen, dass der Verfasser den Elementen der Elasticitätstheorie nunmehr einen besonderen Abschnitt gewidmet hat.
Der Verfasser hat es in der neuen Auflage auch für zweckmässig gehalten, die geometrischen Constructionen wenigstens andeutungsweise durch analytische Entwickelungen zu begleiten, und es wäre in dieser Richtung wohl nur zu wünschen, dass er mehr explicite auf Wesen und Bedeutung der Liniengeometrie einginge. Referent glaubt in dieser Hinsicht auf ein neuerdings erschienenes Werk von Ball verweisen zu sollen (The Theory of Screws, a study in the dynamics of a rigid body, Dublin 1876, ein Auszug im Bd. 9 der Math. Annalen p. 541-553); der dort behandelte Stoff ist freilich ein umfassenderer, als der bei Culmann vorliegende, weil es sich nicht nur um statische, sondern überhaupt um dynamische Probleme handelt; ein Vergleich wird aber imer mansche Beziehungspunkte finden und den theoretischen Inhalt der graphischen Statik als Theil eines grösseren Ganzen erscheinen lassen.