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Memoir and scientific correspondence of the late Sir George Gabriel Stokes, Bart., Sc. D., LL. D., D. C. L., Past Pres. R. S. Selected and arranged by Joseph Larmor, D. Sc., LL. D., Sec. R. S. (French) JFM 38.0024.04

Cambridge: At the University Press. Vol. I: XII u. 475 S. Vol. II: VI u. 507 S. \(8^{\circ}\) (1907).
Über die biographischen Notizen, betreffend G. G. Stokes (13. Aug. 1819 bis 1. Febr. 1903), vergleiche man F. d. M. 34, 35-36, 1903, JFM 34.0035.05 u. 35, 32-33, 1904, JFM 35.0032.05). Der fünfte Band der “Mathematical and physical papers” vonStokes, der uns nicht zugegangen ist, konnte in F. d. M. 36, 25, 1905, JFM 36.0025.01 nur mit dem Titel erwähnt werden. In ihm ist der von Lord Rayleigh für die Royal Society verfaßte Nachruf auf S. IX-XXV abgedruckt.
Wie, Lamb in seiner Besprechung der beiden vorliegenden Bände (Nature 76, 218-219, 1907) bemerkt, hat die Hochflut der Produktivität bei Stokes sehr früh nachgelassen, obschon er in seinen Forschungen nicht stehen blieb. “Zum Teil lag dies an der strengen Auffassung seiner Pflichten in den verschiedenen amtlichen Stellungen, die er bekleidete, zum Teil war es eine Folge seiner eigenartigen unerschöpflichen Natur: er war beständig mit der Prüfung, der Erteilung von Rat und der Unterstützung bei den Arbeiten anderer beschäftigt.” Zur richtigen Beurteilung eines solchen Mannes war es deshalb nötig, der Nachwelt einen Einblick in diese Art der Tätigkeit des Dahingeschiedenen zu geben und ihr durch Mitteilungen aus dem ausgedehnten Briefwechsel eine Vorstellung von seiner Vielseitigkeit und der Arbeitsfreudigkeit, eine Umschau in seiner Gedankenwelt zu verschaffen.
Die von dem Verstorbenen in seinem langen Leben stets sorgfältig aufbewahrten, obgleich nie geordneten Briefe waren in solchen Massen vorhanden, daß die Auswahl aus ihnen und ihre Anordnung bei weiten die schwierigste Aufgabe gewesen ist. Larmor hat diese Mühe auf sich genommen und die langwierige Arbeit mit großem Geschicke erledigt.
Der erste Band enthält solche Schriftstücke, die über den Menschen und den Gelehrten, sein Fühlen, sein Denken und sein Tun Aufschluß geben. Der zweite Band enthält den Briefwechsel, geordnet nach den Empfängern der Briefe von Stokes. Ein dritter, wohl der wichtigste Band, soll den Briefwechsel mit dem inzwischen auch verstorbenen Lord Kelvin bringen.
Der erste Abschnitt, “Persönliches und Biographisches”, wird eröffnet durch “Notizen und Erinnerungen”, verfaßt von Laurence Humphrey, einer Tochter des berühmten Gelehrten. In demselben kindlichen Sinne empfunden wie die “Erinnerungsblätter” von Luise Neumann für ihren Vater Franz Neumann, führt diese Erzählung dem Leser die Gestalt und die vornehme Persönlichkeit des britischen Forschers vor Augen. Die hinzugefügten “Early letters to Lady Stokes” aus den Jahren 1857/60 zeigen den Bräutigam und jungen Ehemann eifrig bemüht, das mit ihm in Liebe verbundene Weib in seine wissenschaftliche Werkstatt der Gedanken einzuführen, ein Bestreben, das bei der Braut zuweilen Befremden, ja ernste Zweifel an der wahren Zuneigung hervorgerufen hat.
Wie einst Isaac Newton ein strenggläubiger Christ war und die Offenbarung Johannis eifrig studierte, so hatte auch Stokes seine engen Beziehungen zur Theologie. Die Briefe an Arthur H. Taburum, welche nach den Liebesbriefen abgedruckt sind sind, enthalten die Ansichten des Christen Stokes; besonders interessant sind seine Vorstellungen über die Auferstehung, die mögliche Vernichtung der verdammten Seelen nach dem Tode durch den Willen Gottes, sowie die Auslegung der Schöpfungsgeschichte nach Genesis 1.
An diese von der Tochter mitgeteilten Blätter (S. 1-90) schließt sich der Abdruck der Würdigungen des Verstorbenen von G. D. Liveing (91-97), Sir Michael Foster (97-103), Sir W. Huggins (103-104) und dem Bischof von Bristol G. F. Browne (105-111). Angeschlossen ist eine Liste der biographischen und wissenschaftlichen Daten aus dem Leben, endlich eine kurze “Genealogie”.
Der zweite Abschnitt des ersten Bandes (S. 114-323) ist betitelt: “Allgemeine wissenschaftliche Laufbahn”. Hier soll nicht eine zusammenhängende Schilderung der wissenschaftlichen Leistungen von Stokes versucht werden, wegen deren auf andere Schriften verwiesen wird. “Sein wissenschaftliches Verhältnis zu den Zeiten, in denen er lebte, ist am klarsten aus seinem Briefwechsel ersichtlich. Man würde es als unpassend empfunden haben, wenn die längeren Reihen wissenschaftlicher Briefe zerstückelt worden wären; aber einige der kürzeren Gruppen, und zwar solche, welche die Ereignisse seines Lebens beleuchten, werden hier nach der Zeitfolge vorgeführt, ohne daß ein Versuch zu einer zusammenhängenden Schilderung beabsichtigt ist.” Wir müssen es uns daher auch versagen, auf die einzelnen Gegenstände hier näher einzugehen, wollen jedoch nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß nicht bloßexperimentelle Dinge zur Sprache kommen, sondern daß gemäß der natürlichen Begabung von Stokes auch oft über rein mathematische Dinge verhandelt wird. Wir erwähnen einen Brief von Hamilton (17. Denzbr. 1857, S. 130-135) und von de Saint-Venant (22. Jan. 1862, S. 156-159). Die Berichte über die Feier 1899 zum fünfzigjährigen Professorenjubiläum und die Feier der Enthüllung des Bronzemedaillons in der Westminster-Abtei am 7. Juli 1904 mit den dabei gehaltenen Ansprachen nehmen einen breiten Raum ein.
Als Abschnitt \(III^{\text a}\), spezieller wissenschaftlicher Briefwechsel, folgen nun noch drei Reihen, die erste (324-381) mit dem Schwiegevater Dr. Romney Robinson, die zweite mit Arthur Cayley (381-397), natürlich von besonderem mathematischen Interesse, die dritte mit Sir J. Norman Lockyer (398-432).
In einem Anhange (433-470) sind die Adressen zum Jubiläum 1899 abgedruckt. Ein sorgfältiges alphabetisches Register macht den Beschluß des ersten Bandes.
Der zweite Band enthält den vollständigen Abschnitt III, von welchem der erste Band einen kleinen Anfang gebracht hatte. Wir geben hier nur kurz die Namen: Maxwell, Joule, v. Haidinger, Plücker, Graham, Lord Avebury, Roscoe, Harcourt, Lord Rayleigh Andrews, Tait. Der Briefwechsel über Wellen und Seeanschwellungen mit Sabine, Melsens, Watson, Froude ist hintereinander abgedruckt. Dann folgen Airy und Christie. Auszüge aus den Protokollen und Berichten des meteorologischen Rates (197-253) zeigen Stokes in seiner Tätigkeit für den meteorologischen Dienst. Unter der Überschrift “Pendel und Schweremessungen” sind dann die bezüglichen Korrespondenzen mit Sabine, Walker, John Herschel, Peirce, Hull, Love und Cornu vereinigt. Endlich machen die Briefreihen mit Boys, Crookes und Silvanus P. Thompson den Beschluß. Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß in einem solchen Gedankenaustausche der erlesensten Geister viele Anregung zu finden ist, und daß somit der Einfluß dieser Veröffentlichung sich noch länger merkbar machen wird. Auch hier ist nach dem löblichen englischen Gebrauche ein ausführliches alphabetisches Register hinzugefügt. Als künstlerischen Schmuck enthält der erste Band ein Bildnis von Stokes aus 1857, ein anderes von ihm aus 1839, endlich ein Bild von Romney Robinson aus seiner Jugendzeit. Der zweite Band bringt als Titelbild eine photographische Wiedergabe der Marmorbüste von Stokes in der Halle des Pembroke College von 1899. Erwartungsvoll sehen wir dem Erscheinen des dritten Bandes entgegen. Der Herausgeber ist des Dankes der Physiker, Mathematiker, Meteorologen und Chemiker sicher.

Biographic References:

Stokes, George Gabriel