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I libri di meccanica nella ricostruzione ordinata di A. Uccelli, preceduti da un’introduzione critica e da un esame delle fonti. (Italian) JFM 68.0010.01

CLV + 673 p. Milano, U. Hoepli (1942).
Leonardo da Vinci hat sich sein ganzes Leben lang, hauptsächlich aber in den letzten 30 Jahren desselben, mit dem Gesamtgebiet der Mechanik beschäftigt. Seine nur unvollständig und verstümmelt auf uns gelangten Aufzeichnungen und Tagebücher (über 7000 an der Zahl) enthalten, vermischt mit allen möglichen Naturbeobachtungen und Spekulationen, eine beträchtliche Zahl mechanischer Notizen, die, entsprechend L.s Bestreben, die Natur selbst im Experiment zu Wort kommen zu lassen, sich vorwiegend auf mechanische Versuche beziehen, aus denen L. auf die Grundgesetze der Mechanik zu schließen sucht. Obwohl das überkommene Material weder chronologisch noch inhaltlich geordnet ist, besteht kaum ein Zweifel daran, daß L. die Absicht hatte, seine mechanischen Spekulationen zusammenfassend zu veröffentlichen; daß es dazu wie auch bei seinen andern naturwissenschaftlichen Untersuchungen nicht gekommen ist, liegt an der Fülle und Vielseitigkeit der Gedanken, die ihn bis ins hohe Alter hinein in Ansprach nahmen. Aber die Tatsache, daß sich in seinen Papieren genaue Dispositionspläne über die Verteilung des Stoffes mit Kapitelüberschriften für ein mechanisches Gesamtwerk finden, sowie die zahlreichen Querverweise auf frühere Notizen, lassen hier, wie auch bei andern von ihm geplanten Büchern (es waren 120!), seine Absichten erkennen; übrigens sind die Ansätze zur Ordnung einzelner Teilgebiete bei L. selbst zu finden, z. B. stellt einer der Cod. Forster eine solche Durcharbeitung dar. L.s Manuskripte liegen heute größtenteils in großzügigen Editionen vor, die neben der photographischen Wiedergabe die diplomatische Transkription enthalten; aber diese Ausgaben bieten erst den Grundstoff, dem noch die passende Anordnung, Auswahl und Sichtung (oft widersprechen sich z. B. Aufzeichnungen aus verschiedenen Zeitpunkten) folgen muß, wenn man einen wirklichen Einblick in L.s Erkenntnisse gewinnen will. Da aus Mangel an Daten und Unterlagen eine chronologische Anordnung des Stoffes nicht möglich ist, lag es nahe, das mechanische Material in logischer Ordnung, L.s Dispositionsplänen entsprechend, zu einem Gesamtwerk zusammenzufassen, zumal dieser Weg auch bei seinem Buch der Malerei und dem Buch über die Bewegung des Wassers eingeschlagen wurde.
Der Herausgeber A. Uccelli hat hier diesen mühevollen Weg eingeschlagen; das Ergebnis ist ein mechanischer Traktat aus L.s Hand von 552 Quartseiten Stärke, der eine einigermaßen zusammenhängende Gedankenlinie und Methode erkennen läßt und eine Beurteilung der Selbständigkeit L.s und seiner neuen Einsichten ermöglicht. Mit philologischer Gewissenhaftigkeit wird jeder Satz durch Quellenangabe belegt, zahlreiche Querverweise und L.s eigene Figuren (sie wurden gespiegelt, um seine linkshändige Spiegelschrift rückgängig zu machen) in natürlicher Größe ergänzen den Haupttext; dabei wurden mehrfache Wiederholungen aus verschiedenen Quellen gegenüber einer willkürlichen Auswahl in Kauf genommen.
Der würdigen Ausgabe geht eine sehr gründliche (129 Seiten) Studie über die von L. zitierten Vorgänger auf dem Gebiete der Mechanik voraus: Aristoteles, Archimedes, Heron v. Alexandrien, Euklid, Thebith Ibn Kurrah, Albrecht der Große, Albrecht v. Sachsen, Thomas v. Aquin, Roger Bacon, Jordanus Nemorarius, Biaggio da Parma, William Heytesbury, J. Swineshead. Man kann sie als Abriß der Geschichte der spätantiken und mittelalterlichen Mechanik und ihrer Probleme lesen. Übrigens fällt aus L.s Notizen Licht auf manches uns verlorene Werk dieser Autoren. Der eigentliche Text L.s ist in 17 Bücher geteilt, denen sich noch ein Werk über die Maschinenelemente (Hebel, Flaschenzug, Rolle, Schraube) angliedert. In Stichworten sind einige der von L. mit größter Genauigkeit studierten Gegenstände die folgenden: Die vier Elemente, von der Natur der Schwere, Schwerpunkte und ihre geometrische Bestimmung, Hebelgesetze, Zusammensetzung von Hebeln, z. B. dreiarmige Hebel, verschiedene Aufhängungen, z. B. Flaschenzüge, Schiefe Ebene, Keil, Waagen aus Stabsystemen und Rollen. Träger und Stützen, Biegung von Balken, Berechnung von Trägersystemen, Knickversuche. Den Grundlagen der Dynamik gehören L.s Spekulationen über den Schwerpunktsatz, den Kraftbegriff, die Proportionalität von Kraft und Masse, die Fallgesetze, Wurfbewegung, den Zusammenhang von Kraft und Bewegung, die Lehre von der Potenz und dem Impetus, die Theorie des Stoßes (Hammer, Keil, Schlag, Schuß), das Gesetz von der Erhaltung der Arbeit, die Reibung und den Luftwiderstand an. Überall herrscht das Experiment vor, L. ist ganz Naturwissenschaftler im heutigen Sinne und niemals Mathematiker oder Philosoph. Seinem technischen Interesse entsprechend bezieht sich der vorwiegende Teil der Versuche auf Maschinenelemente, Ballistik (mit sehr vielen neuartigen und richtigen Erkenntnissen, z. B. über die Natur der Kopfwelle) und die Bewegung des menschlichen Körpers. Zusammenfassend kann man sagen, daß L. weit und entscheidend über seine Vorläufer, an denen er auch vielfach Kritik übt, hinausgelangt ist und sich bei ihm schon viele grundlegende Einsichten (z. B. auch die Unmöglichkeit des perpetuum mobile auf mechanischer Basis) der neuen Dynamik finden, worüber im einzelnen die Arbeiten R. Marcolongos unterrichten.
Sorgfältige Register und zwei Noten über L.s Bücher und Manuskripte und ihre Ausgaben beschließen das Werk, das endlich die Grundlage zu einer umfassenden Würdigung von L.s Stellung in den Naturwissenschaften bietet.